Schon seit der Wirtschaftswunderzeit stehen stationäre Läden in Innenstädten im Wettbewerb mit Versandhandel und Buchclubs. Doch seit einigen Jahren stellen für eigentümergeführte Geschäfte Firmen, die im Internet Waren verkaufen oder der Einkaufstourismus zu riesigen Discountermärkten im Bereich von Metropolen eine immense Konkurrenz dar. Dabei sind die dort zu erwerbenden Artikel unter dem Strich keineswegs billiger. Deshalb wollen einheimische Händler und Handwerker nun in die Offensive gehen und ihre Stärken sowie die Vorteile des Einkaufs vor Ort deutlich herausstellen. „Helmbrechts aktiv“ bat deshalb zu einem Gespräch ins Restaurant Astoria, der Einladung folgten Mitglieder von Gewerbevereinen aus Schauenstein, Münchberg und Naila.

 

Bei Einzelhändlern und Handwerkern der Region bestand Einigkeit, künftig mit einem gemeinsamen Auftritt auf die große Bandbreite ihrer Leistungen aufmerksam machen. Dabei soll auch das Internet eine Rolle spielen.

In der dann von Michael Watzlawzyk geleiteten Gesprächsrunde machten die Anwesenden viele Vorschläge zur Eigenvermarktung. So ist eine Art virtuelle lokale „Gelbe Seiten“ mit einer Datenbank der in der Region zu erhaltenden Leistungen eine der Ideen. Einen Link zu Geschäften über die Internetseiten der Gemeinden brachte der Schauensteiner Bürgermeister Peter Geiser ins Gespräch. Doch gehe es auch darum, junge Leute, die in den sozialen Medien unterwegs und technisch fit sind, ins Boot zu holen, sagte der Münchberger Buchhändler Jörg Meister. Er regte an, Partnerschaften mit Schulen einzugehen. Weiter schlug er vor: „Wir sollten auch in Suchmaschinen gesuchte Begriffe mit regionalem Bezug verbinden.“ Für den Helmbrechtser Getränkehändler Jörg Dietrich ist aber auch klar: „Die Seiten müssen so aufgebaut sein, dass sie die Besucher interessant finden und länger darauf verweilen.“ Und für Erik Thüroff wie auch für Wolfgang Feilner sollte eine Präsentation im Netz oder den sozialen Medien die jeweilige Zielgruppe erreichen.
Doch eine virtuelle Präsentation ist nur eine der Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen. wichtig sei es die Kernkompetenzen der Betriebe herauszustellen, bemerkte Bernd Baumann. Gerade die fachkundige, individuelle Beratung vor Ort, der gebotene Service und der persönliche Kontakt sind wichtige Faktoren und ein wesentlicher Standortvorteil. Denn in lokalen Läden könne man Hosen und Kleider anprobieren, mit Fachleuten Planungen durchgehen oder auch testen, ob man auf einem Fahrrad gut sitzt. Allerdings bedauerte Susanne Münzer, dass in manchen Fällen Leute die Beratung vor Ort nutzen, um dann die Artikel dennoch im Internet zu bestellen, obwohl die Ware dort kaum günstiger zu erwerben ist.

Ein Vorschlag aus der Runde war übrigens, die Möglichkeiten zu eröffnen, Waren über das Internet zu bestellen und dann im Laden abzuholen.

Aber auch Events können die Händler auf sich aufmerksam machen. Carola Robert erwähnte in diesem Zusammenhang eine Aktionswoche mit verschiedenen Angeboten, die nach dem Erfolg im letzten Jahr auch im Frühjahr 2016 wieder in Helmbrechts stattfinden soll. Mit einem solchen Projekt wolle man gezielt auf die Stärken und Kompetenzen der Geschäfte hinweisen. „Damit kann man Botschaften rüberbringen, die im Gedächtnis bleiben“, lobte Martin Wagner, der zweite Vorsitzende der Werbegemeinschaft Münchberg, das Konzept. Ute Hedler vom Stoffwerk regte an, in einer Ausstellung unter dem Motto: „Du bist deine Stadt“, die Vielfalt der in einem Ort vorhandenen Gewerbe aufzuzeigen. 
Stefan Gluth verwies schließlich auf eine Initiative der IHK Mittlerer Niederrhein zum Thema „In der Heimat shoppen“. Dazu wurden nämlich viele gute und schlagkräftige Argumente gesammelt, die in ähnlicher Form auch in der jetzigen Diskussion zur Sprache kamen.

So gelte es aufzuzeigen, dass Bürger mit einem Einkauf in ihrer Gemeinde auch die Finanzen ihres Heimatortes stärken, gehört doch die von Unternehmern zu zahlende Gewerbesteuer zu den wichtigsten Einnahmequellen einer Kommune. Und auch Vorstände und Mitglieder von Vereinen sollten sich vor Augen führen, Unterstützung für Gemeinschaften in Form von Anzeigen in Klubheften, Bandenwerbung oder Geschenken für eine Verlosung oder einen Wettbewerb können Gewerbetreibende nur leisten, wenn sie auch einen entsprechenden Umsatz generieren.

Einer der Teilnehmer sagte dazu: „„Amazon lässt in Helmbrechts keine Weihnachtsbeleuchtung brennen oder spendet hier für eine Tombola.“
Um das weitere Vorgehen in Sachen Vermarktung und Werbung zu besprechen wollen sich die Vertreter der Gewerbeverein im kleineren Kreis öfters treffen, auch um Konzepte z. B. für eine Internetplattform zu entwickeln oder einen gemeinsamen zugkräftigen Slogan zu kreieren. Dieser Vorschlag von „Helmbrechts-aktiv“-Vorsitzenden Marco Klein und seiner Stellvertreter Carola Robert und Michael Watzlawzyk stieß auf offene Ohren.

Außerdem möchte man Abgeordnete, IHK und Handwerkskammer künftig stärker einbinden. „Wir sollten die, die sich um uns sorgen, in die Pflicht nehmen“, sagte Jürgen Meister.

Einig waren sich alle Teilnehmer der Veranstaltung darin, die Konsumenten müssten deutlich und nachhaltig auf die zweifelsohne vorhandene Attraktivität des Shoppings vor Ort gegenüber dem Kauf im Internet aufmerksam gemacht werden.

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